Biografisches
Geboren 1965 im Auto auf der Fahrt ins Saarbrücker Krankenhaus, seit 1984 in Berlin; studierte Politologie, Psychologie, evangelische Theologie und Erziehungswissenschaften; arbeitete im Gesundheitswesen in San Francisco und Berlin, außerdem als Taxifahrerin, Möbelpackerin und Blumenverkäuferin. Seit 1997 ist sie freie Lektorin und Autorin, berät beim Schreiben wissenschaftlicher und belletristischer Texte. Sie verfasst Kurzgeschichten, zurzeit arbeitet sie an ihrem zweiten Kriminalroman. 2001/02 wurde sie auf der Krimistoffbörse des “Tatorts Eifel” ausgezeichnet. Außerdem Preisträgerin des Tagesspiegel-Erzählwettbewerbs 2005.
Weitere Informationen unter: www.anja-feldhorst.de
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Teufels Genossen
Inhalt: Felicitas Springer kommt im Herbst 1967 aus der schwäbischen Provinz nach Berlin. Doch statt bei einer soliden Wirtin in Zehlendorf landet sie in einer chaotischen Schöneberger Kommune. Die unbedarfte Studentin versucht sich zwischen sozialistischem Kampfgeist, schmutzigem Geschirr, Vietnam-Demonstrationen, beginnender sexueller Revolution und ‘Kritischer Universität’ einzurichten. Als ihre Mitbewohnerin Barbara ermordet wird, interessiert sich nicht nur Kriminalkommissar Bruno Bär für den Fall – plötzlich mischen der Verfassungsschutz und die Stasi mit.
Leseprobe:
Sie hatte sich einen Stuhl von drinnen geholt und sich auf die Terrasse gesetzt. Nun zeichnete die Balustrade mit den dahinter liegenden Bäumen und Büschen und dem Blick auf den See. Ihre Tasche hatte sie umgehängt und die Bleistifte in unterschiedlichen Härtegraden stachen aus dem vorderen Fach hervor wie Palisaden.
Sie arbeitete konzentriert, um die morbide Schönheit der Säulen einzufangen. Die Schritte, die die steinernen Stufen an der Hausseite herunterkamen, hörte sie nicht. Erst als jemand sie ansprach, blickte sie auf und sah die beiden Männer.
„Frau Springer?“ Der Dunkelhaarige ging auf sie zu. Felicitas stand auf, Skizzenblock und Bleistift fest umklammert. Der Mann war jetzt nur noch anderthalb Meter von ihr entfernt. „Wir möchten, dass Sie uns begleiten.“
Sie wich zurück. „Wer sind Sie?“
Er ging auf sie zu und griff ihren Arm. „Bitte kommen Sie mit.“
Sie versuchte, sich aus seinem Griff zu winden, aber seine Finger bohrten sich in den Stoff ihres Mantels. Der andere Mann war inzwischen herangekommen und stand nun neben ihr. „Machen Sie keinen Ärger“, sagte er ruhig.
„Lassen Sie mich los.“ Ihre Stimme klang schrill, und der Griff um ihren Arm wurde fester. Der Mann zerrte sie zur Treppe. Er stieß mit dem Fuß gegen den Stuhl, der mit lautem Scheppern umfiel. Einen Augenblick hielt er inne. Felicitas trat ihm vor das Schienbein und riss ihren Arm mit einem Ruck aus seiner Hand. Als sie zur Treppe rannte, stürzte sich der zweite Mann auf sie und umklammerte sie von hinten. Verzweifelt strampelte sie mit den Beinen. Doch der Mann presste seine Arme wie ein Schraubstock um ihre Brust. Der Dunkelhaarige wich ihren zappelnden Füßen aus und hob die Faust. Felicitas stieß sich vom Boden ab und trat ihm so fest sie konnte zwischen die Beine. Der Mann stöhnte auf. Einen Moment schwebte seine erhobene Faust in der Luft. Dann wich die Farbe aus seinem Gesicht und seine Beine knickten weg.
Felicitas rammte ihren Absatz auf den Fuß des Mannes, der sie festhielt. Der Mann lockerte für den Bruchteil einer Sekunde seinen Griff. Sie wand sich aus seinen Armen, doch er packte sie an den Haaren und riss ihren Kopf herum. Sie sah seine Faust auf ihr Gesicht zurasen. Dann bohrte sich der Schmerz in ihr Hirn. Ihr wurde schlecht und einen Moment verschwamm das Gesicht des Mannes vor ihren Augen. Schemenhaft nahm sie wahr, wie er erneut den Arm zu Schlag hob. Sie umkrallte den Bleistift, den sie immer noch in der Hand hielt und stieß damit in die Masse aus Licht und Schatten, die sie für das Gesicht des Mannes hielt. Das schmatzende Geräusch, das der Bleistift machte, als er auf das Auge traf, wurde von dem Schrei des Mannes übertönt. Er ließ Felicitas los, griff sich ins Gesicht und torkelte stöhnend zurück.



