»Wer gerne gute Thriller liest und Marcel Feige noch nicht gelesen hat, der hat mit das
Beste was es in Deutschland in diesem Genre gibt verpasst! Marcel Feige steht qualitativ auf einer Stufe mit Sebastian Fitzek und Andreas Franz, den erfolgreichsten Krimi- und Thrillerautoren Deutschlands.« Alex Dengler, Bild am Sonntag
Marcel Feige, geboren 1971, lebt als Schriftsteller in Berlin. Nach über 30 Sachbüchern, darunter die Biographien über die Hamburger Kiez-Ikone Tattoo-Theo, die Punk-Diva Nina Hagen, den Rap-Rüpel Sido und eine Rotlicht-Größe aus dem Ruhrgebiet, schreibt er seit 2005 überwiegend Krimis & Thriller.
Weitere Informationen unter: www.Marcel-Feige.de
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Presse:
»Ergreifend, aufrüttelnd und spannend.« Krimi-Couch.de
»Feige bleibt nicht an der Oberfläche, sondern geht tief, verliert dabei aber nie die Schnelligkeit des Erzählens aus den Augen. Klug aufgebaut und extrem spannend.« Bild am Sonntag
»Das soll Kriminalliteratur leisten: Missstände in unserer Gesellschaft so schildern, dass man bei der Entlarvung realer verbrecherischer Machenschaften spannend unterhalten wird. Der Berliner Autor Marcel Feige kann das.« Verdi Publik
»Erstklassige deutsche Thriller sind Mangelware, doch Marcel Feige beweist das Gegenteil.« Siegessäule
»Spannend – tiefsinnig – vielschichtig – realistisch!« Highlights Berlin
Leseprobe (aus: Kalte Haut, Goldmann Verlag 2012)
Weit nach Mitternacht, die Gespräche in den Gärten und auf den Balkonen waren längst verstummt, die Lichter in den Häusern erloschen, zwängte eine Ratte ihren fetten, behaarten Körper aus der Kanalisation. Schnell suchte sie Schutz unter den Sträuchern am Straßenrand. Sie stemmte sich auf die Hinterbeine und reckte ihre spitze Schnauze in den Wind. Der trieb ihr den Duft gebratener Koteletts in die Nase. Ihre Lefzen begannen, aufgeregt zu zittern. Sie machte einen Satz und trippelte flink über den Bürgersteig. Dabei mied sie die hellen Lichtkegel der Straßenlaternen, hielt sich stattdessen in den Schatten dazwischen.
Vor dem betagten Backsteinhaus am Ende der Straße wurde der Fleischgeruch intensiver. Alle Vorsicht vergessend wühlte sich die Ratte durch ein Blumenbeet. Nachdem sie auf der anderen Seite angekommen war, entdeckte sie in der Dunkelheit die Umrisse einer Mülltonne. Unter deren schiefem Deckel quollen neben schimmeligem Obst und Kartoffelschalen auch Fleischreste hervor. Gierig setzte die Ratte zum Sprung an, und – ihre Knochen brachen mit einem Knirschen, als ein Mann mit seinem schweren Stiefel auf sie trat.
Als drückte er eine glühende Zigarettenkippe aus, zermalmte er die Ratte unter seiner Schuhsohle.
»Und tot bist du«, sagte er, während er zufrieden den dunklen Klumpen aus Blut und Eingeweiden betrachtete. Dann eilte er der Haustür entgegen. In der Finsternis mühte er sich mit dem Schloss ab, erst nach mehreren vergeblichen Versuchen gab es den Weg in die Loggia frei. Drinnen lauschte der Mann. Stille. Niemand war erwacht. Er drückte die Tür zurück in den Rahmen.
Nachdem seine Augen sich an die Dunkelheit gewöhnt hatten, schritt er zur Treppe, die ins Obergeschoss führte. Langsam erklomm er die Stufen. Eine der Stiegen knarzte, als er seinen Fuß darauf setzte. Er blieb stehen. Die Sekunden verstrichen, ohne dass sich etwas im Haus regte.
Erleichtert setzte er seinen Weg nach oben fort. Dabei bemerkte er, dass noch Reste des Rattenblutes an seiner Stiefelsohle klebten. Es sickerte in den hellen Sisalbelag, mit dem die Treppe ausgelegt war. Wie nachlässig von ihm! Aber nicht mehr zu ändern.
Oben gingen fünf Türen von dem schmalen Flur ab, eine ins Bad, eine ins Schlafzimmer, zwei in die Kinderzimmer. Hinter der letzten Tür, die der Treppe schräg gegenüber lag, befand sich eine winzige Abstellkammer. Allerlei unnützer Plunder staute sich dort: Babyspielzeug, zerschlissene
Kinderkleidung, sogar ein löchriger Plastikswimmingpool, der seit Jahren nicht mehr benutzt worden war. Was für ein Chaos. Lächelnd stieß er die Tür zum ersten Kinderzimmer auf. Sie war nur angelehnt.
Das seidige Dämmerlicht einer Schlummerlampe umschmeichelte den Jungen, der in dem Bett daneben schlief. An der Wand über ihm hingen Bilderrahmen. Auf einem der Fotos war der große Bruder des Jungen zu erkennen. Ein anderes Bild zeigte die beiden Jungs zusammen mit ihrer Mutter. An der Tapete hingen außerdem Poster von Flugzeugen. Deren Modellnachbauten reihten sich in einer Vitrine: ein Segelflieger, mehrere Boeings, zwei Düsenjets, ein Rosinenbomber.
Auf Zehenspitzen schlich der Mann um ein Airport-Set und weitere Plastikflieger herum, die auf dem Teppichboden verstreut lagen. Als er vor dem Bett stand, beugte er sich über das Kind. Unter der Decke, die der Junge sich bis ans Kinn gezogen hatte, zuckte es. Was er wohl träumte? Vielleicht von Ratten. Mit einem Schmunzeln streckte der Mann die Hand nach dem Kind aus. Er streichelte ihm liebevoll das Haar.
Dabei flüsterte er: »Und tot bist du.«



